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Nienburger Schnitzstube und Freizeitschule |

| Freizeitschule | Arbeitsphilosophie |
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Nienburger Schnitzstube
und Freizeitschule
Entwicklungsskizzen
Entwicklung
Die Nienburger Schnitzstube wurde 1989 von Reinhold Büdeker als Arbeitswerkstatt
für Auftragsarbeiten -überwiegend im holzgestaltenden Bereich-
gegründet. Sie war auch immer Begegnungsstätte für Schnitz-
und Gestaltungsinteressierte.
Aus dem wachsenden Kreis der Kursusteilnehmer wuchs ein etwa 20-köpfiges
ehrenamtliches Mitarbeiterteam, das Schnitzhandwerk auf öffentlichen
Veranstaltungen vorführt. Mittlerweile bildeten sich sieben von ihnen
zu Kursusleitern, die vornehmlich mit Kindern und Jugendlichen gestalten.
Reinhold Büdeker leitet außerdem Seminare an Wochenenden und Fortbildungskurse
und Vorträge im Bereich Fachwerkentwicklung.
Im Dezember 2003
kaufte Reinhold Büdeker das Grundstück und Gebäude Bürgermeister-Stahn-Wall
37 in Nienburgs Innenstadt. Das Gebäude steht auf den Mauern der alten
Stadtbefestigungsanlage neben einem Rest des ehemals die Stadt schützenden
Wassergrabens. Das Grundstück liegt an einem Spazierweg über die
begrünten Wallanlagen, der um die Innenstadt führt.
Das Erdgeschoss des Gebäudes beherbergt den Kursusbereich, ein Atelier
und einen Meditationsraum zum Garten. Optische Reize sind Skulpturen aus
Holz von bis zu vier Metern Höhe für den Garten. Der regelmäßig
arbeitende Freundeskreis schnitzt Verzierungen für das Gebäude.
Ein märchenhafter fünf Meter hoher Burgturm aus einem hohlen Lindenstamm
mit herausschauendem Ritter und Burgfräulein lässt Betrachter schmunzeln.
Kinder und Erwachsene erkennen ebenso den riesengroßen Petterson aus
Kinderbüchern.
Ziel ist es, hier einen Ort der Begegnung zu formen für solche, die an Kunst und an altem Handwerk interessiert sind - für Mitmachende, Besucher und Ideengeber gleichermaßen. Aus der Kontinuität der zurückliegenden Entwicklung entsteht jetzt eine Freizeiteinrichtung, die offen ist für vielfältige Arbeitstechniken und Aktivitäten und Möglichkeiten menschlicher Begegnungen.
Ein Freundeskreis kümmert sich um die Gestaltung des Grundstücks, um einen attraktiven Blickfang für Besucher der Stadt zu entwickeln.
Es ist dringend Hilfe durch fleißige Hände erforderlich. Interessierte können beim Beschnitzen des Hauses helfen. Für die Gestaltung des Außenbereiches werden dringend helfende Hände benötigt: Laub harken, Reinigungsarbeiten. Auch handwerkliche Arbeiten aus Holz- und Metallberufen sind gefragt: Pflege der Holzaußengestaltung, Zugangstor bauen, Unterstände für Feuerholzvorräte, Holzregale für Kursusbetrieb, Werkzeugpflege.
Der ehrenamtliche Freundeskreis trifft sich
Der übliche Ablauf: ca. 8.00 Uhr Treffen. Die wichtigsten Arbeiten sind aufgelistet. Man arbeitet entweder allein oder mit anderen. Gegen 10.00 Uhr gibt's Tee/Kaffee und es wird geplaudert. Jeder setzt seine Arbeit nach eigenem Ermessen fort.
Überlegungen zur Gestaltung dieser Einrichtung (Arbeitsphilosophie)
In der Welt von heute scheint sich der einzelne Mensch in unterschiedlichsten
Bereichen der Gemeinschaft zu entziehen und sich gleichzeitig nach Beachtung
und Anteilnahme, nach Geborgenheit und Wohlfühlen mit anderen zu sehnen.
Man will frei bestimmen, unabhängig sein, Gemeinschaftseinrichtungen
(Sportverein) stunden- oder tageweise nutzen, aber keine langfristigen Bindungen
und Verantwortlichkeiten eingehen.
Das Individuum ist autonom, frei in seinem Denken und Handeln und weitgehend
frei in seinen Wahlmöglichkeiten. Wenn mehrere Menschen mit ihren jeweiligen
Wahlmöglichkeiten zusammen kommen, müssen Handlungen abgestimmt und
koordiniert werden. Dann können Reibungen gemildert oder vermieden werden,
alle können sich wohl fühlen. Die Arbeit in der Nienburger Schnitzstube
und Freizeitschule bewegt sich im Spannungsfeld zwischen der individuellen
Befriedigung der Teilnehmer mit kreativ-künstlerischen Anspruch und den
Erfordernissen des Gemeinschaftslebens.
In der Nienburger Schnitzstube und Freizeitschule entsteht ein Ort der Begegnung für Kunst, handwerkliches Schaffen und menschliche Begegnungen. Hier soll in einem angstfreien Umfeld über den eigenen Lebenskreis hinaus auf andere und mit anderen demokratisch gewirkt werden.
Der Kursusleiter kann diesen Weg stützen, indem er z.B. Bewertungskriterien
transparent macht. So wird eine Eigenbeurteilung ermöglicht, die sich
an der Sache orientiert und unabhängig von der Laune oder dem Geschmack
des Leiters ist. Der Ausbilder wird dadurch zu einem partnerschaftlichen
Teil der Gemeinschaft.
Die Arbeit mit dem Material Holz ist eine selbsterzieherische Tätigkeit.
Wenn man unkonzentriert arbeitet, wenn man nicht gegenwärtig ist, wenn
man ungeduldig wird und sich falsch verhält, dann schneidet man sich.
Wenn die Planung des Arbeitens unkonzentriert vonstatten geht, wenn man Weitsicht
außer acht lässt, wächst die Wahrscheinlichkeit, dass das
Werkstück künstlerisch unausgereift und/oder handwerklich mäßig
wird und wenig Anerkennung von einem selbst oder von anderen erfährt.
Sich Zeit lassen ist eine wichtige Bedingung zum gestalterischen Erfolg -
gleichermaßen auch für den Weg zur eigenen Persönlichkeit
und dem geduldigen Umgang in der Gemeinschaft.
Mit seiner Außenrepräsentation und mit seiner Angebotskombination
von Skulpturengarten, Freizeiteinrichtung und Ort für Themenveranstaltungen
geht die Bedeutung der Nienburger Schnitzstube und Freizeitschule über
die Region hinaus.
Worum es geht ist dies: Der einzelne Mensch wird in seinen Bedürfnissen
angenommen und er soll sich wohl fühlen. Er kann das vorhandene Ambiente
genießen und für sich mit Naturmaterialien unter fachkompetenter
Anleitung schaffend aktiv werden. Er kann eigene Ideen „bildhaft“ werden
lassen. Der Interessierte kann darüber hinaus ohne Zeitbindung im Freundeskreis
aktiv werden oder sich im Leitungsteam engagieren.